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Kompaktwissen zur Vogelgrippe

Die Vogelgrippe ist wieder in der Schweiz. Nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Mal. Ein multimedialer Rück-, Über- und Ausblick.

Der vierte November war es. Der vierte November 2016. Da las irgendjemand drei tote Reiherenten auf. In Kreuzlingen. Am Bodensee. Sagen wir mal, es war ein Wildhüter. 

Dieser Wildhüter also stand da, mutmassen wir, am Ufer des Bodensees und schaute aufs Wasser hinaus. Auf die frostige Luft, die aus dem nahen Deutschland südwärts zog, aus Konstanz, fünf Gehminuten entfernt, oder von weiter nördlich. Er stand in hohen Gummistiefeln auf den verschlammten Steinen, dort, wo sich Land und Wasser zu treffen pflegen. Er ging ein paar Schritte ins Wasser, damit seine Hände den dritten und letzten der drei treibenden Kadaver zu packen vermochten. Der Wildhüter, so nehmen wir an, wusste schon, womit er es hier zu tun hatte. Mit der Vogelgrippe. Geflügelpest. Aviäre Influenza. Wie sie der Wildhüter auch immer nennen wollte. Vermutlich Vogelgrippe.

Der Wildhüter packte die drei Reiherenten in einen Plastiksack, so mutmassen wir, und brachte sie dem Kantonstierarzt. Der wiederum, so vermuten wir, tupfte den Vögeln mit einem Wattestäbchen am Hinterteil herum – Kloakentupferprobe nennt sich das – und schickte das Ganze weiter ans Tierspital, nach Zürich. Zu Richard Hoop, dem Leiter der Abteilung für Geflügelkrankheiten am Institut für Veterinärbakteriologie der Uni Zürich. 

Hoop ist der Mann, und das vermuten wir nicht, das wissen wir, der die Gewissheit brachte:

Die Vogelgrippe ist wieder in der Schweiz.

Doch was war vorher?

Schon vor ziemlich genau zehn Jahren sprach man bei uns in der Schweiz von der Vogelgrippe. H5N1 hiess das damals, das Virus. Und es war hochgradig ansteckend. Damals nicht nur unter Vögeln, nein, auch Säugetiere konnte es treffen, also auch den Menschen. Das Virus, das die Reiherenten am Bodensee diesen Winter in sich trugen, heisst H5N8. Richard Hoop erklärt, wie so ein Virus funktioniert.

Das klingt alles ziemlich komplex. Ist es auch. Aber Hoop macht es dem Laien etwas einfacher. Er kramt einen Zettel hervor und beginnt zu zeichnen (Zeichnungen nachgestellt):

Hoop erläutert seine Zeichnung weiter:

Genau das ist nun passiert: Neue, gefährliche Virenstämme sind entstanden. Nicht in den Wildvögeln an sich. Die, so Hoop, tragen das Virus von Natur aus in sich, doch es macht ihnen nichts. Erst, wenn sie irgendwo beispielsweise Hühner angesteckt haben, wird es heikel. Dann nämlich entwickelt sich das Virus weiter und wird dann, wenn es wieder zurück zu den Wildvögeln geht, hochgradig ansteckend. 

Wieso das ein Problem ist? Ganz einfach: Die Wildvögel ziehen von Nord- und Osteuropa in Richtung Süden und werfen mit jedem Vogeldreck, den sie fallen lassen, das Virus als tödliche Fracht ab.

Auf diese Weise konnte sich vor zehn Jahren das H5N1-Virus von Asien bis nach Europa verbreiten. Und auf diese Weise hat es diesen Winter auch H5N8 bis zu uns geschafft.

Wir blicken zurück.

H5N8 ist also in der Schweiz angekommen. Im November 2016. Nach den ersten Fällen in Kreuzlingen wurden zunächst ein paar weitere Fälle am Bodensee gefunden. 

Als die Vogelgrippe dann Mitte November auch am Genfersee auftrat, entschied sich das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zu Sanktionen. Am 15. November verabschiedete sie die „Verordnung des BLV über vorsorgliche Massnahmen zur Verhinderung der Einschleppung der Geflügelpest„. 

Die Fälle von infizierten Wildvögeln rissen nicht ab, auch an den anderen grossen Schweizer Seen trat das Virus in der Folge auf, doch bis anhin blieben sämtliche Geflügelbetriebe in der Schweiz verschont.

So verbreitete sich H5N8:

 

Hühner hat es also noch keine erwischt. Das bleibt hoffentlich auch so. Vor allem waren es Reiherenten, die betroffen waren, aber auch Schwäne und Möwen steckten sich an. Und vereinzelt auch andere Vögel. Ein Überblick.

Vorerst bis Ende Januar gilt die Verordnung des Bundes, die zu besonderer Vorsicht gemahnt. Ob sie danach verlängert wird oder nicht, ist offen. 

Richard Hoop meint:

Er spricht vom Februar. Dann sei es immer mal möglich, dass in Norddeutschland die Seen zufrieren. Gefrorene Seen bedeutet für Wasservögel: keine Nahrung. Und so müssten sie sich nach einem neuen Plätzchen umschauen, womöglich an den Schweizer Seen. 

Die Schweizer Hühner sind also noch nicht ausser Gefahr. Und überhaupt, meint Richard Hoop, sollten wir uns an die Vogelgrippe gewöhnen, denn die könne immer wieder zurückkehren. 

Hoops Ratschlag zum Schluss für alle Hühnerhalter:

 

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Veröffentlicht inUncategorized

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