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Insektenquickies und Käferviagra

Ich habe einen neuen Lieblingsmenschen. Ein pensionierter Versicherungsvertreter. Klingt staubtrocken, aber wenn André Mégroz anfängt, über seine Leidenschaft zu erzählen, dann gehts aber los du, hui!

André Mégroz ist Insektenkundler und hat soeben ein Büchlein rausgebracht. Eins, in dem er die Texte selber geschrieben hat, die Fotos selber aufgenommen und die Zeichnungen selber gezeichnet hat. Alles ganz allein. «Silberfischchen, Lilienhähnchen und andere Insekten» heisst es und erschienen ist es in der Edition Ostschweiz, einer eher experimentellen Taschenbuchreihe der Verlagsgenossenschaft St. Gallen.

Seine Zeichnungen im Büchlein zeigen fotorealistische Ameisen, Wespen, Wanzen und anderes Kleingekreuch. Er selber sagt: «das könnten Sie auch.» Zweieinhalb Arbeitstage brauche er für so ein Bild. 

Ein Entdecker ist er auch

Wo es aber richtig spannend wird, ist bei Mégroz im Vorgarten. Wenn er in die Büsche kriecht, um zu schauen, was hier winters noch herumkrabbelt. Wenn er unter die Blätter seiner Lavendelheide schaut und eine winzige Wanze hervorklaubt. Eine Netzwanze, die er selber entdeckt hat. Zumindest in der Schweiz kannte die vor ihm keiner.

Noch fast spannender wird es an Mégroz‘ Küchentisch im hellen Wintergarten am Sanktgaller Stadtrand. Dort fängt er an, von seinen Reisen zu erzählen. Anekdoten, denen man stundenlang lauschen möchte. Und auch darf, denn Mégroz erzählt gerne, er erzählt viel und er erzählt kurzweilig.

Zwei Kostproben gefällig? Insektenquickie und Käferviagra. Die muss ich ja fast bringen, sonst hätte ich keinen reisserischen Titel.

 

Porträt, erschienen in der «Tierwelt» vom 19. Januar 2017

Das Porträt als PDF

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Veröffentlicht inArbeitMenschen

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