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Ich, ein Filmkritiker?

Was darf ein Journalist, der keine Ahnung von Filmen hat, wenn er eine Filmrezension schreiben muss? Ab wann bin ich ein Filmkritiker?

Ich bin froh, schreibe ich nicht über Opern. Darüber habe ich kürzlich mit einem Journalistenkollegen diskutiert, der genau das tut. Unter anderem natürlich. Er sitzt nicht Tag für Tag in der Oper und schreibt darüber, aber es kommt durchaus vor, dass er es mal tut. Er kann das. Musikgeschichte habe er studiert, glaube ich, und das gebe ihm doch schon eine gewisse Expertise im Fach.

Aber trotzdem sagt er, traue er sich nicht immer, die falschen Töne im Zeitungsbericht zu monieren, schliesslich, so sagt er, könne er sich ja auch mal täuschen und das sei dann ganz peinlich und liesse ihn jegliches Ansehen bei den opernbegeisterten Feuilleton-Lesern verlieren.

Ein halber Barbier reicht nicht

Ich würde falsche Töne gar nicht erst hören. Oder könnte sie zumindest nicht von atonaler Musik unterscheiden. Ja eigentlich weiss ich nicht einmal, was atonale Musik ist. Und ähnlich viel Ahnung wie von Musik habe ich von Filmen. Vielleicht etwas mehr, weil ich in meinem Leben mehr als einen halben Film gesehen habe (Ja, eine halbe Oper wars, «Barbierul din Sevilla» in Bukarest.), aber viel mehr auch nicht.

Trotzdem schreibe ich über Filme. Ich werde ins Kino geschickt, an Pressevorführungen, witzige Anlässe sind das. Da tschalpt jeweils eine Handvoll Journalisten ins Kinofoyer, oft langhaarig, nicht nur wenn weiblich. Da wartet meist eine Disney-, Universal- oder Wasauchimmerfüreinfilmunternehmens-Medienverantwortliche mit einem Klemmbrett und schaut uns prüfend an, ob wir aussehen wie Experten. «Ich glaubs ihnen jetzt einfach mal», hat mir eine kürzlich gönnerhaft gesagt, als ich die Einladung für die Pressevorführung nicht dabeihatte. So lieb.

Was darf ich nun?

Jedenfalls sehen die anderen Filmexperten jeweils nicht viel expertenhafter aus als ich, obwohl sie sich sichtlich Mühe geben, einen Kennerblick aufzusetzen hinter ihren 3-D-Brillen im halbdunklen Kinosaal. Weit verstreut übers ganze Kino sitzen wir dann meistens da. Eigentlich müsste es doch so etwas wie «Beste Plätze» im Kino geben. ganz Objektiv. Vermutlich Mitte-Mitte. Aber man ist weit verstreut, scheint also die besten Plätze nicht zu kennen. Tolle Experten.

Aber eigentlich geht es ja um mich. Und mein Dilemma: Was darf ich schreiben? Wenn mir ein Film gut gefällt, darf ich das ja problemlos schreiben, das wird niemanden verärgern. Finde ich aber einen Film so richtig bescheuert, muss ich ein Bisschen aufpassen. Nicht, weil ich Angst hätte, es mir bei der Klemmbrettfrau zu verspielen, vielmehr, weil ich dem Film nicht Unrecht tun will. Vielleicht ist er ja toll, ich verstehe ihn nur nicht. Viel Liebe und Geld steckt vielleicht darin und ich putze ihn nieder, nur weil er nicht in mein kleines Laienhirn passt.

Und dann bange ich

Und doch muss ich doch irgendwie schreiben, was mir daran gefällt und was nicht. Ich nehme mich dann oft etwas zurück, spreche zwar an, was mir nicht so gepasst hat. Urteile ab und zu mal ganz keck. Schreibe Dinge wie «Ihre Dialoge sind so hölzern wie die Baumstämme, die sie fällen» (Ja, es geht um Förster. Und ja, der war recht flach.) oder «der Zuschauer fühlt sich phasenweise alleingelassen im Kinosaal» (Haha, dabei waren ja noch drei andere Alleingelassene Filmkritiker dabei.).

Und dann bange ich ein wenig. Sehen das andere auch so? Was hat der Langhaarige nebenan geschrieben? Den Film gerühmt? Ich meine, der ist ja ein Experte. Der wird’s wissen. Der Hört die falschen Töne raus. Ich nicht. Oder fühlt sich der genauso alleingelassen? Hat der auch das Gefühl, ich sei bestimmt der expertigere Experte als er? Bangt der auch?

Mich nähmen so Dinge noch wunder. Geht es anderen auch so? Filmkritiker anyone? Feedback erwünscht.

Dafür häng ich hier jetzt mal ein paar von meinen Filmkritiken an, die in der «Tierwelt» erschienen sind.

Peanuts – der Film

Unsere Wildnis

Legend of Tarzan

Elliot, der Drache

 

Titelbild: Floeschie/Flickr.com 
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Veröffentlicht inFreizeit

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