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With the Pinggel on the Planggen

Eigentlich will ich ja als Journalist Aufmerksamkeit erregen, nicht als Fotograf. Aber irgendwie geht das ringer. Auf alle Fälle schickt das EDA meine Fotos jetzt um die Welt.

Gestern kam ein Telefon aus Bundesbern (das Wort wollte ich schon immer mal schreiben, das dürfen sonst nur Politjournis). Ein Herr Vauthier, Praktikant beim EDA (beim Aussenministerium für alle Nicht-Politjournis) ist dran und schmiert mir Honig ums Maul. Wie schön meine Fotos vom Wildheuen seien. Und dass er bei denen arbeite, die im Ausland zeigen, wie schön die Schweiz sei, zum Beispiel an den Olympischen Spielen in Rio. Und ob ich denn nicht Teil davon sein möchte, unsere schöne Schweiz zu präsentieren und ihm die Bilder zur Verfügung stellen würde. 

Sollte ich Kohle verlangen?

Er habe drum keine Bilder in genug guter Auflösung und müsse unbedingt heute (also gestern) noch den Artikel aufschalten. Auch beim Bund pressierts offenbar ab und zu. Ich hab dann den Chef gefragt, schliesslich gehören die Bilder gar nicht mehr mir, der war einverstanden. Ich hab dem EDA die Bilder zur Verfügung gestellt, jetzt sind sie in einem viersprachigen Artikel im Internet zu finden.

Jetzt frag ich mich nur: Bin ich ein superguter Schweizer Bürger mit Tendenz zum Nationalismus, weil ich dem Typen die Bilder gratis vermacht habe? Hätte ich was heuschen sollen? Jeder Fotograf wird mir wohl ja sagen, er mache seinen Job ja nicht umsonst und müsse auch von etwas leben und genau wegen solchen wie mir sterbe sein Beruf langsamabersicher aus. Vermutlich wird der eine oder andere Fotograf in meinem Kollegenkreis gar etwas hässig auf mich sein. Sorry im Voraus dafür. 

Wieso ich nichts verlangt habe? Erstens, weil ichs schon noch cool finde, meine Bilder anderswo zu sehen, so eitel bin ich dann schon. Zweitens, weil – wie schon gesagt – die Bilder eh nicht mir gehören. Selber hätt ich sowieso kein Geld gesehen, nur meine Redaktion. Ich hätte wohl eine Fünfzigernote heuschen können, die wär dann an die vereinigten Schweizer Kleintierzüchter gegangen. Besser? Vermutlich schon. Vielleicht nicht für mich, aber für die Zunft der Berufsfotografen. 

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Veröffentlicht inFreizeit

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