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Spielverderber Biber

Seit 60 Jahren leben in der Schweiz wieder Biber. Der Nager breitet sich rasch aus und fühlt sich wohl in unseren Bächen, ein Traum für jeden Naturschützer. Der wird aber langsam zum Albtraum für Bauern. Denn der Biber kann teuer werden.

Mehr als 300 Biber lebten bei der letzten «Volkszählung» 2008 im Kanton Thurgau. Das klingt überschaubar. Doch der Thurgau ist klein und dicht besiedelt. Von Menschen, aber auch von Bibern. Rund 50 Biber pro 100 Quadratkilometer sind es dort. Das sind halb so viele wie im Bibermekka Litauen. Aber im Thurgau leben fünfmal so viele Menschen auf jedem Quadratkilometer. Andersrum ist die Bevölkerungsdichte in Baden-Württemberg vergleichbar mit dem Thurgau, dafür ist die Biberdichte 18-mal kleiner.

Der Kanton Thurgau ist wohl europaweit Spitze in Sachen Biber-Mensch-Konfliktpotenzial. Zumindest für die Schweiz gibt es dazu Zahlen:

Und in Balken sieht das dann so aus:

Dass viele Biber im Thurgau leben, ist nicht per se ein Problem. Das Problem entsteht dann, wenn die fleissigen Baumeister Bäche stauen, die sie nicht sollten und damit Felder überfluten. Oder, wenn sie Obstbäume fällen und Zuckerrüben stibitzen. Oder, wenn sie einen Feldweg unterhöhlen und Bauers Traktor absacken lassen. Und das passiert regelmässig.

Kein Geld für kaputte Felder

Der Biber ist ein geschütztes Tier. Genau wie der Wolf oder der Luchs. Und wer schützt, muss auch bezahlen. So erhält ein Bauer, dessen Schafherde vom Wolf gerissen wird, Schadenersatz von Bund und Kantonen. Ebenso der Landwirt, dessen Zuckerrüben vom Biber gefressen werden. Frassschäden, wie sie heissen, werden ersetzt. Nicht aber sogenannte Infrastrukturschäden. Vom Biber überschwemmte Felder also, oder Kaputte Traktorenachsen. Die müssen Landbesitzer selber berappen. Und das kommt teuer.

Ich war zu Besuch an der Thur und habe mit Menschen geredet, die 20’000 Franken aus ihrer eigenen Tasche bezahlen mussten – weil der Biber seine Zelte auf ihrem Grundstück aufgestellt hat. Kein Wunder, sinkt seine Beliebtheit dort langsam. Der Kanton Thurgau ist es deshalb auch, der vom Parlament verlangt, dass Infrastrukturschäden künftig durch öffentliche Gelder bezahlt werden.

Das Dossier zum Biber ist in der Tierwelt vom 12. Mai 2016 erschienen.

Das ganze Dossier als PDF

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Veröffentlicht inTiere

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